Reise von Uhlandbrüdern mit Damen ins Fränkische nach Wolpertshausen.

Gerne folgten wir der Einladung am 01.08.2018 zum Besuch des Regionalmarktes in Wolpertshausen bei Schwäbisch Hall durch unseren Br. Hans Durst.

„Wir freuen uns über Ihr Interesse an unserer Arbeit und unseren bäuerlichen Erzeugnissen. Wir informieren Sie über unsere Projekte und unser Engagement für den ländlichen Raum in der Region Hohenlohe. Feinschmecker beziehen Fleisch und Wurst vom Schwäbisch- Hällischen Landschwein und viele andere Erzeugnisse der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft in unseren Bauernmärkten sowie in ausgewählten Fachgeschäften.“

So wurden wir empfangen und mit einer Präsentation der Erzeugergemeinschaft bekannt gemacht. Weiter ging es zu einer Schweinemastanstalt. Nach einem gemeinsamen Mittagessen besichtigten wir Masteichelschweine auf einer riesigen baumbestandenen Schweineweide. Interessant waren die folgenden Besichtigungen  einer Gewürzmanufaktur und die des Sonnenhofs, der „Zelle“ des Mohrenköpfles. Zum Schluss besuchten wir noch eine Käserei in Geifersthofen.

Interessant waren auch die Informationen über die Ursprünge der Schweinezucht. Über China, den Vorderen Orient, Griechenland und Rom bis hin nach Mitteleuropa wurde uns die Geschichte erklärt.

Im Mittelalter wurden die Schweine gezielt zur Jagd engesetzt. Weil Adlige den Bauern verbaten, Hunde zu halten, züchteten die cleveren Bauern Jagdschweine. Bereits ab 1493 unternahmen die Schweine Weltreisen. Bei seiner zweiten Fahrt nahm Kolumbus Schweine mit an Bord und setzte acht Tiere auf der Karibikinsel Hispaniola aus.

Alle Sattelschweinrassen gehen vermutlich auf das Maskenschwein Asiens zurück. Bis ins 18. Jahrhundert wurden in Europa nur domestizierte Nachfahren des Wildschweins als Hausschwein gehalten. Auf Gemälden und Stichen ist dies nachverfolgbar.

Der württembergische König Wilhelm I. der „Landwirt auf dem Königsthron“, führte 1820 zur Förderung der Landwirtschaft chinesische Maskenschweine ein. Durch deren Kreuzung mit einheimischen Rassen entstanden die Schwäbisch- Hällischen Schweine. Auch die anderen europäischen Sattelschweinerassen entstanden auf ähnliche Weise.

Mythologisch fand das Schwein als Glücksbringer Einzug. Die Redewendung „Der hat Schwein gehabt“ sagte und sagt aus, jemand hat unerwartetes und unverdientes Glück gehabt.

Seit den späten 1950er-Jahren bevorzugen die inzwischen satt gewordenen Deutschen allerdings mageres Fleisch: Die Schweine wurden länger, dünner und erhielten ein zusätzliches Rippenpaar. Mittlerweile gibt es weltweit über 700 verschiedene Rassen, fast 300 davon sind allerdings vom Aussterben bedroht.

Die Nachkriegsphilosophie der deutschen und europäischen Agrarpolitik  nach 1950 war es, die Menschen mit billigem Fleisch zu versorgen um den Landwirten ein gesichertes Einkommen zu verschaffen. Rufe nach dem industriegerechten deutschen Einheitsschwein wurden laut. Man ließ holländische Magerschweine importieren, die schneller wachsen und eine Rippe mehr haben sollten. Fett galt als ungesund, mager als gesund. Das Althergebrachte wurde als rückständig und altbacken gebrandmarkt. Das Aus für das Schwäbisch- Hällische Landschwein schien beschlossene Sache.

Immer mehr Tiere wurden und werden auf immer engerem Raum und mit immer weniger Arbeitseinsatz gehalten. Das heißt: Spaltenböden statt Stroh, Antibiotika statt Sonne, Luft und Regen, Käfig statt Auslauf und „Leistungshybriden” statt Rassenvielfalt.

Der nachweisliche Zusammenhang zwischen Stressanfälligkeit und einem verminderten Fettgehalt der Schweine wurde ignoriert. Die Grenzen der Belastbarkeit wurden beim Masttier längst erreicht.

Den Bauern, die an kleinen Restbeständen der vormals so geschätzten Schwäbisch- Hällischen Landschweine festhielten, ist es zu verdanken, dass diese alte Hausschweinrasse nicht ausgestorben ist. Denn Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre galten sie sogar schon als ausgestorben.

Engagierte begannen 1984 mit nur sieben reinrassigen Mutterschweinen und einem Eber eine neue Zucht. 1986 wurde in Schwäbisch Hall die Züchtervereinigung Schwäbisch- Hällisches Schwein gegründet. Die größten Erfolge waren die mehrmaligen Bundessiege für die beste Fleischqualität bei der Internationalen Grünen Woche Berlin.

Hofläden, Dorfläden, Biolandwirte, Käsereien usw. sind in der bäuerlichen Erzeugergemeinschaft eingebunden.

 

Man kann nur sagen: „Zurück zur Natur“, so gut es geht.